Hinter den Schlagzeilen
Zwei Männer mit Gepäck, erst im Taxi, dann im Hotelzimmer. Unterlagen werden ausgepackt. Sie warten auf eine dritte Person. „Er reist ohne Handy“, sagt der eine. Wir werden Zeug*innen eines Treffens der Investigativjournalisten der Süddeutschen Zeitung, Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, mit dem Whisteblower Edward Snowden. Ihre Diskussion über das schwierige Verhältnis von Journalist*innen und Informant*innen ist der Auftakt zu einer der wohl spannendsten Aufdeckungen eines Politskandals der vergangenen Jahre. Es geht um das Ibiza-Video, das den ehemaligen österreichischen Vizekanzler und FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache 2019 zum Rücktritt zwang. Das belastende Dokument wird den beiden Journalisten zugespielt; bis die Geschichte veröffentlicht wird, vergeht über ein Jahr. Die „Nervositätsspirale“ nimmt zu, während man auf das Go für die Veröffentlichung wartet, alles muss für „Tag X“ vorbereitet werden. „Die werden ja wohl nicht zur BILD gehen“, sagt Obermayer. Schließlich ist es soweit: Die Originaldatenträger aus sechs versteckten Kameras liegen vor und geben mehrere Stunden Aufzeichnungen preis, in denen sich Strache selbst als korrupter Politiker bloßstellt. Immer wieder geht es darum, (juristische) Grenzen auszuloten. Darf man das Video veröffentlichen oder nur ein Transkript davon? Ist das Material überhaupt echt? In Zeiten von Fake News stehen Journalist*innen mehr denn je unter Beschuss, penibelster Faktencheck beim Verfassen der Beiträge ist daher die Conditio sine qua non. Stundenlang wird an Formulierungen gefeilt. „Wir dürfen jetzt keine Fehler machen“, heißt die Devise. Und HINTER DEN SCHLAGZEILEN macht deutlich: Investigativjournalismus ist ein gefährlicher Job. Die Ermordung zweier bekannter Kolleg*innen wird thematisiert. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz gilt es, ein Treffen mit einem Informanten zu organisieren, ohne dass es die Konkurrenz mitbekommt. Doch im Fall der Ibiza-Affäre gibt es eine positive Auflösung: Das Video wird veröffentlicht, die Anzeige gegen die Journalisten abgewiesen. (Anja Klauck)… >>>
- Dauer: 90 Min.
- Regie: Daniel Sager