HONEYMOON spielt auf einer fiktiven Mondbasis in Nagasaki und ist die Auseinandersetzung des japanischen Regisseurs Yu Araki mit dem Japonismus. Er fasst die Hochzeitsszene aus Madame Butterfly (Carmine Gallone, 1954) auf, in der B.F. Pinkerton in Seiza (正座) – im Japanischen die Begrifflichkeit für die korrekte, formale Art, kniend mit unter den Oberschenkeln gewinkelten Schenkeln zu sitzen – sitzt und interpretiert sie neu. Obwohl der Seiza-Stil weithin als „korrekt“ bekannt ist, hat er sich erst nach der Öffnung Japans für das Abendland durchgesetzt. Das heißt, nachdem sich die Kultur des „Stuhls“ durchgesetzt hatte, so dass die Förmlichkeit dessen, was die Japaner*innen für geschichtsträchtig hielten, nur ein modernes, willkürliches Konstrukt war. Inspiriert von dieser historischen Tatsache verbindet Araki das Seiza mit einem anderen Element, um die Willkür der Menschheit zu betrachten: die Konstellation, die in der japanischen Sprache übrigens ein Homonym des Seiza (星座) ist. Darüber hinaus ist der bereits erwähnte Film Madame Butterfly bekannt als eines der ikonischsten Kollaborationen zwischen Japan und Italien. Der japanischen Produktionsseite war damals sehr daran gelegen, die verkorkste Darstellung japanischer Symbolik zu „korrigieren“, was ihnen auch gelang. Allerdings geht Araki ebenfalls kritisch auf die Frage ein, was es denn bedeutet, eine andere Kultur „richtig“ zu verstehen.